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Atem anhalten, Tiefe finden

Durch Apnoetauchen die Leidenschaft für den Ozean wiederentdecken: Ruhe, achtsame Ernährung und Gemeinschaft unter Wasser.

von Finn van der Aar

 

Ich als Meeresbiologin habe zwei Jahre gebraucht, um festzustellen, dass ich in unmittelbarer Nähe einiger der schönsten Unterwasserreservate des Mittelmeeres lebe. Das Leben geht so seinen Gang, man ist mit Arbeit beschäftigt und anderen Verpflichtungen und verliert dabei leicht das aus den Augen, was einem eigentlich wichtig ist. Für mich (und für dich, möglicherweise auch) ist das immer das Meer gewesen.

 

Diesen Sommer hatte ich mir vorgenommen, dem Apnoetauchen eine zweite Chance zu geben. Als begeisterte Surferin und Schwimmerin war es für mich naheliegend, tief Luft zu holen und auch mal einen Blick unter die Wasseroberfläche zu werfen.

 

Meine erste Erfahrung mit dem Apnoetauchen war eher zufällig zustande gekommen: Eine meiner besten Freundinnen hatte einen schweren Unfall gehabt, der sie daran hinderte, weiter zu surfen oder mit dem Flaschentauchen weiterzumachen. Auf der Suche nach einer gemeinsamen Aktivität, die sie auch ohne die schwere Tauchausrüstung zurück ins Wasser bringen würde, meldeten wir uns mit zwei weiteren Surferinnen zu unserem ersten Freediving-Kurs an, um auf sichere und spaßbringende Weise das Meer zu erleben.

 

Zehn Jahre später waren meine Beweggründe andere. Als berufstätige Mutter, in einer immer lauteren Welt, die sich gefühlt immer schneller dreht, suchte ich nach einer Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Ich wollte entschleunigen, das Meer in einer tieferen Dimension erkunden, ohne den Aufwand, die Kosten und das klobige Equipment, die das herkömmliche Tauchen mit sich bringt.

 

 

Versuch nicht die Luft anzuhalten

 

Das war ein echt bemerkenswerter Tipp zu Beginn meiner Vorbereitung. Das Gegenteil von dem, was man normalerweise denken würde. In den Wochen vor dem Kurs habe ich wirklich überhaupt nicht geübt, die Luft anzuhalten. Ich habe mir auch keine Tutorials oder sonst was angesehen, wie man den Atem länger anhalten kann.

 

Mein Gedanke dahinter war einfach, dass ich mir kurz vor dem Kurs mit einem Profi keine schlechten Gewohnheiten zulegen wollte. Ein großer Teil des Kurses drehte sich um sichere Techniken, um länger die Luft anzuhalten. Die richtigen – und sicheren – Techniken lernst du am besten von Tauchlehrer*innen.

 

Das richtige Mindset

 

Entspannung ist vermutlich das wichtigste Stichwort beim Apnoetauchen.“

 

Anstatt das Anhalten des Atems zu üben, habe ich mich auf die mentale Vorbereitung konzentriert. Dazu habe ich mir spezielle Apnoe-Meditationen auf YouTube angehört, währen derer man sich einen gefahrlosen und erfolgreichen Tauchgang vorstellt. Außerdem habe ich Entspannungstechniken geübt. Wie ich später im Kurs lernen sollte, ist das die wichtigste Voraussetzung für einen sicheren Tauchgang.

 

Ich glaube außerdem, dass es super wichtig ist, seine Angst – egal wie sie sich äußert – zu akzeptieren, wenn man sich auf das Apnoetauchen vorbereitet. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich sich die Angst bei jedem einzelnen bemerkbar machte. Für einen der Teilnehmer war es die Angst vor dem statischen Apnoetauchen mit Zeitlimit, bei dem man länger als zwei Minuten den Atem anhalten muss, um im Kurs weiterzukommen. Für mich war es das Tauchen mit Flossen und Ballast im Pool. Ich fühle mich in Menschenmengen unwohl und in einem Schwimmbecken voller Leute verstärkte sich dieses Gefühl noch. Unser Lehrer Mario war großartig. Er setzte sich mit mir an den Beckenrand, sprach mit mir, um mich zu beruhigen, und half mir so, meine Anspannung zu lösen. Dadurch konnte ich es erneut versuchen und das Flossentauchen problemlos beenden. Besonders geholfen hat mir seine Aussage: „Wenn du es ganz ruhig angehen lässt, wirst du merken, zu wie viel mehr du fähig bist.“

 

 

Ernährung

 

In den letzten Monaten hatte ich Probleme, den Druck in meinem linken Ohr auszugleichen, deshalb versuchte ich, in den zwei Wochen vor dem Kurs weniger entzündungsfördernde Lebensmittel zu essen. Dazu gehörte, nur noch eine Tasse Kaffee pro Tag zu trinken (als Mutter eines kleinen Kindes ist das schwieriger, als es klingt), und auf die meisten Milchprodukte zu verzichten.

 

Außerdem habe ich mich auf meinen Flüssigkeitshaushalt konzentriert – ich habe nicht nur mehr Wasser getrunken, sondern auch mehr Kräutertees und Suppen, und habe wasserhaltige Lebensmittel wie Gurken und Wassermelonen in meine Mahlzeiten eingebaut.

 

Während des Kurses habe ich mich leicht und bekömmlich ernährt, mit einem ausgewogenen Verhältnis von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten. Zum Frühstück gab's Haferflocken (mit Pflanzenmilch, Chiasamen und Zimt), dazu Himbeeren, Mandelbutter und einen Schuss Ahornsirup. Das Mittagessen war im Grunde ein griechischer Salat ohne Feta, dazu Kartoffeln als Kohlenhydratquelle. Die Oliven und das Dressing sorgten für das nötige Salz, das man besonders in der Sommerhitze an der Costa del Sol. Als Snacks gab's Apfelscheiben (wieder mit Mandelbutter) und viele Datteln, um mich mit Energie zu versorgen, dazu eine große Thermoskanne mit kaltem Tee. Mein Abendessen bestand aus einfachen Gerichten, hauptsächlich Fisch und Gemüse.

 

Gute Ausrüstung macht den Unterschied

 

Meine Orca-Ausrüstung hat mich über den gesamten Kurs begleitet. Für das Training im Außenpool habe ich meinen Mantra-Apnoe-Neoprenanzug mit der Heatseeker-Weste drunter und dem Neopren-Stirnband getragen. Obwohl das Stirnband nicht besonders groß ist, hat es einen riesigen Unterschied gemacht: Ich bekomme in kaltem Wasser Ohrenschmerzen, und da ich beim Freediving keine Ohrstöpsel benutzen kann (wie ich es beim Surfen oder Schwimmen tun würde), konnte ich mit dem Stirnband meine Beschwerden deutlich lindern.

 

Gemeinsam stark

 

Als ich mit dem Kurs anfing, dachte ich zunächst an die positiven Effekte, die das Apnoetauchen haben würde: Es würde meine Gedanken beruhigen und mir die Möglichkeit geben, das Meer aus der Perspektive der Meeressäuger zu erleben, die ich sonst untersuche. Eine der wichtigsten Regeln beim Apnoetauchen ist, dass man immer mit Tauchpartner*innen unterwegs ist. Zunächst sah ich darin nur den Sicherheitsaspekt.

 

Dabei hatte ich gar nicht an das tolle Gefühl der Verbundenheit in der Gruppe gedacht, das man das ganze Wochenende über hat, wenn man mit anderen Leuten, die eine gemeinsame Leidenschaft für das Meer verbindet, Zeit im Wasser verbringt. Von Marios spannenden Erklärungen zum Freitauchen und den Meereslebewesen, die wir im Wasserschutzgebiet gesehen haben, bis hin zum Austausch von Geschichten über den Ozean mit den beiden anderen Kursteilnehmern – einer ist Speerfischer, der andere ein erfahrener Taucher – war alles sehr inspirierend.

 

Diese Menschen kennenzulernen, mit denen ich in Zukunft das Meer erkunden und mich im Apnoetauchen weiterentwickeln kann, war vielleicht das Schönste von allem.

 

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