Es gibt Orte, an denen fühlt sich Triathlon einfach anders an. Orte, an denen die beeindruckende Landschaft untrennbarer Teil des Rennens ist und auf der Ziellinie Geschichte geschrieben wird. Nizza ist einer dieser Orte.
Zwischen Mittelmeer und den Seealpen gelegen, ist die Côte d’Azur seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Schauplätze in der Welt des Triathlons. Schon lange bevor die Weltmeisterschaften hier stattfanden, hatte sich Nizza als einer der wichtigen europäischen Austragungsorte für Triathlons über die Langdistanz etabliert. Die Verbindung der Stadt zu unserem Sport hat sich im Laufe der Jahre stetig intensiviert, da Nizza in den vergangenen Jahren die Langdistanz-WM ausrichtete, im Wechsel mit Kona auf Hawaii.
Am zwölften und dreizehnten September trafen sich an der Côte d’Azur einmal mehr die besten Athlet*innen der Welt, um auf einer der einzigartigsten Wettkampfstrecken gegeneinander anzutreten: 1,9 Kilometer Schwimmen im Mittelmeer, 90 Kilometer Radfahren in den Alpes-Maritimes und der abschließende 21,1-Kilometer-Lauf entlang der berühmten Promenade des Anglais.

Die schlichten Zahlen für sich genommen können kaum beschreiben, was dieses Rennen so herausfordernd macht.
Das Schwimmen begann am Plage des Ponchettes in der Baie des Anges und führte die Teilnehmer*innen direkt in die tiefen, blauen Wellen des Mittelmeers. Da die hohe Wassertemperatur keinen Neopreneinsatz zuließ, bewältigten unsere Sportler*innen die knapp zwei Kilometer lange Schwimmstrecke mit der Apex Swimskin, unserer Wettkampf-Swimskin, die für maximale Hydrodynamik und minimalen Wasserwiderstand optimiert wurde.
Von der Küste weg führte die Strecke ins Landesinnere, wo sich der Wettkampf völlig veränderte.
Auf der Radstrecke zeigte Nizza wieder sein wahres Gesicht. Nach den ersten paar Kilometern entlang der Küste bogen die Triathlet*innen in Richtung der Berge ab und begaben sich auf eine lange und kräftezehrende Fahrt durch das Innere des Seealpenmassivs. Die erste Prüfung wartete in Form des Col de Vence, ein fast zehn Kilometer langer Anstieg mit einer mittleren Steigung von 6,6 Prozent und einigen noch steileren Abschnitten. Auf über tausend Metern war der höchste Punkt der Strecke erreicht, und es ging wieder hinab zum Meer.
Die Strecke verlangte von den Athlet*innen viel mehr als nur reine Stärke. Eine kontrollierte Pace, Kletterfähigkeiten, technisches Können auf den Abfahrten und dann noch genug Körner zu sparen für den anschließenden Lauf – das alles war hier wichtig. Zurück in Nizza ging es für sie dann um alles: Die letzten 21,1 Kilometer standen zwischen ihnen und dem WM-Titel.
Auf der Promenade des Anglais erwartete sie ein schnelles Rennen, direkt am Meer, umgeben von Zuschauern – eine Kulisse für zwei sehr unterschiedliche Wettkampftage.
Am Samstag lieferte Taylor Knibb eine der dominantesten Vorstellungen in der Geschichte der 70.3-Weltmeisterschaft ab.
Die US-Amerikanerin kam mit der Spitzengruppe aus dem Wasser, aber erst auf dem Rad nahm der Wettkampf richtig Fahrt auf. Knibb attackierte die Anstiege mit außergewöhnlicher Energie und konnte so einen Vorsprung herausfahren, der sich im Laufe des Rennens kontinuierlich vergrößerte. Als sie die zweite Wechselzone erreichte, hatte sie einen Vorsprung von mehr als vier Minuten auf ihre nächsten Verfolgerinnen herausgeholt.
Und von da an weigerte sie sich schlichtweg, ihn wieder herzugeben.
Taylor Knibb beendete das Rennen schließlich in 4:19:24, holte sich damit ihren vierten WM-Titel und stellte nebenbei einen neuen Streckenrekord für Nizza auf. Ihre Zeit von 2:32:07 auf dem Rad bildete die Grundlage für ihren Sieg, den sie mit einem Halbmarathon von 1:17:56 ins Trockene brachte.
Kurz hinter ihr lief Orca-Athletin Julie Derron die schnellste Zeit des Tages. Mit 1:13:04 über die 21,1 Kilometer kämpfte sie sich auf den zweiten Platz vor und kam nach 4:23:30 ins Ziel, während ihre Landsfrau Anaïs Siffert mit einer Zeit von 4:25:10 den dritten Platz belegte.

Am Sonntag waren dann die Männer gefordert. Unter ihnen unser Athlet Hayden Wilde, der nach Nizza gekommen war, entschlossen, ein weiteres Kapitel seiner eigenen Erfolgsgeschichte zu schreiben.
Der Neuseeländer kam gut aus dem Wasser und nahm dann die anspruchsvolle Radstrecke in Angriff, die seine Fertigkeiten beim Bewältigen der Anstiege, Abfahrten und der damit verbundenen körperlichen Belastung auf die Probe stellte, bevor es für ihn auf die Laufstrecke ging.
Hayden Wilde wusste, dass er sich beim Laufen gegen einige der schnellsten Läufer der Welt behaupten würde müssen. Mit jedem absolvierten Kilometer auf der Promenade des Anglais wurde sein Vorsprung kleiner und die Spannung größer. Kristian Blummenfelt gelang dabei eine spektakuläre Aufholjagd aus den hinteren Reihen, er näherte sich Schritt für Schritt und machte die letzten Kilometer zu einer regelrechten Nervenschlacht.
Aber Hayden hielt durch.
Nach drei Stunden, fünfzig Minuten und einundfünfzig Sekunden überquerte er die Ziellinie mit einem Vorsprung von 18 Sekunden auf Blummenfelt und holte sich damit den 70.3-Weltmeistertitel. Jelle Geens komplettierte das Podium mit einer Zeit von 3:52:40.
Nizza hat uns erneut all das geboten, was den Triathlonsport so besonders macht: drei Disziplinen, einen anspruchsvollen Streckenverlauf und unzählige verschiedene Strategien, den Wettkampf zu bestreiten.
Von der Mittelmeerküste in die Berge und zurück zur Promenade des Anglais – die 70.3-Weltmeisterschaft 2026 hat einmal mehr gezeigt, dass die weltbesten Triathlon-Strecken mehr fordern als die reine körperliche Fitness der Athlet*innen. Sie stellen die Fähigkeit jedes und jeder Einzelnen auf die Probe, sich auf neue Situationen einzustellen, schnelle Entscheidungen zu treffen, sich durchzubeißen, zu leiden, wenn es nötig ist, und weiterzumachen – auch wenn das Rennen nicht nach Plan verlaufen sollte.
Und womöglich ist es genau das, was Nizza so besonders macht.