Aloha Kona
21. Oktober 2024 | 10 protokoll lesen
Team Orca kehrt zur Triathlon-WM auf Hawaii zurück, um sich den 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen zu stellen.
Kona war wieder eine Härteprüfung aus Hitze und Wind. Eine Erinnerung, dass auf der Insel bis zur Ziellinie alles offen ist.
Es war auf der Insel Oahu, wo der Mythos Ironman seinen Ursprung fand. Dort diskutierten Marines und einheimische Sportler eines Abends die Frage: Wer ist am zähesten – der Schwimmer, der Radfahrer oder der Läufer? Ein Experiment sollte Klarheit schaffen: Drei bestehende Extremwettkämpfe wurden zu einer einzigen Prüfung verschmolzen – der 3,8 Kilometer lange Waikiki Roughwater Swim, das 180 Kilometer lange Around Oahu Bike Race und der Honolulu Marathon, alles ohne Pause, ohne Unterbrechung. Fünfzehn Männer stellten sich der Herausforderung. Nur zwölf erreichten das Ziel. Drei Jahre später, 1981, wurde Kona zum Austragungsort dieses legendären Wettkampfs – jene Rennen, von dem Triathlet*innen weltweit träumen.
Es ist 2025. Zum vorerst letzten Mal gehen dieses Jahr ausschließlich Frauen an den Start, große Athletinnen mit großen Träumen. Es ist auch diesmal ein besonderer Tagesanbruch, wenn das Meer der Kailua Bay inmitten von funkelnden Lichtern erwacht und die Luft erfüllt ist von einer fast magischen Energie. Mana nennen es die Menschen aus Hawaii – die Kraft, die alle Lebewesen verbindet. Der Geist der Insel verlangt Respekt. Über allem wacht die Göttin Pele, Hüterin des Feuers, in den Tiefen des Kīlauea. Manche legen Blumen nieder, andere einen Stein – keine Geste des Aberglaubens, sondern der Ehrfurcht. Denn hier ist die Natur keine Kulisse, sondern die unbestechliche Richterin.

Dieser Wettkampf hat erneut gezeigt, welche immensen Herausforderungen die Langdistanz bereithält. Jede Entscheidung zählt – und nie darf man die Sache zu früh für verloren geben.
Um sich zu behaupten, muss man im Wasser mithalten, denn dort werden die ersten großen Abstände herausgeschwommen. Lucy Charles-Barclay blieb ihrem Stil treu und dominierte das Schwimmen mit einer spektakulären Eleganz, die nur sie beherrscht. Sie stieg in weniger als fünfzig Minuten aus dem Wasser.
In der Wechselzone treffen die Protagonistinnen des Tages auf ihre gemeinsamen Widersacher: den Wind, die Hitze und die unerbittlichen Kilometer. Auf der Queen K bläst der Wind ihnen die Kraft aus dem Leib und lässt sie mit sich selbst zurück. Das Tempo ist gnadenlos, das Drehbuch bleibt bislang unverändert – Taylor Knibb und Solveig Løvseth folgen Lucy, doch der Kampf ist noch lange nicht entschieden.

Die Thronanwärterinnen sind auf dem Weg zum Sieg – bis sie es plötzlich nicht mehr sind. Der Marathon von Kona belohnt nicht die Stärksten oder die Schnellsten, sondern diejenigen, die sich auf seine Energie einstellen können. Lucy muss nach der Hälfte der Strecke aufgeben, die Hitze zwingt sie in die Knie, Taylor bricht drei Kilometer später zusammen, ihr Körper macht nicht mehr mit. Doch Solveig Løvseth hält durch, obwohl Kat Matthews ihr auf den Fersen ist. Am Ende werden nur 35 Sekunden zwischen ihnen liegen. „It is never over!“, ruft ihr Ehemann ihr zu. „Du musst jetzt nur noch dich selbst schlagen!“. Das Podium komplett macht am Ende Laura Philipp, die Vorjahressiegerin von Nizza, die sich in den Top 3 behaupten konnte.
Kona entscheidet. Immer.
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