Taras Essentials
13. Oktober 2025 | 10 protokoll lesen
Tara Andreani spricht mit Orca über ihre Leidenschaft fürs Surfen, ihre Gewohnheiten und darüber, wie das Meer sie ausgeglichener und selbstbewusster...
Juan Merodio erzählt von seiner Verbindung zu La Vaca Gigante und dem Big-Wave-Surfen, zwischen Adrenalin, Respekt vor dem Meer und jahrelanger Erfahrung.
Juan Merodio verbindet eine tiefe, persönliche Beziehung mit den Wellen. Der 33-jährige Surfer aus Kantabrien ist der Sohn des Surfpioniers und Shapers José Manuel Merodio und wuchs mit dem ständigen Rauschen der Biskaya auf – ein Klang, der zu einem prägenden Element seines Lebens wurde. Schon mit sieben Jahren stand er erstmals auf dem Brett, nahm in seiner Jugend an Wettkämpfen teil und fand über die Jahre in der Gliding Surf School nicht nur eine Plattform, um Technik zu vermitteln, sondern auch eine Philosophie des Meeres weiterzugeben. Seine Geschichte ist untrennbar mit seiner Familie verbunden, aber auch mit einer Region, in der die Brandung die Landschaft formt: die Costa Quebrada.
Genau hier, in dieser wilden und faszinierenden Umgebung, findet La Vaca Gigante („Die Riesenkuh“) statt – eines der bedeutendsten Big-Wave-Events Europas. Der Contest wird im Parque de Las Canteras-Cueto ausgetragen, mitten im UNESCO-Weltgeopark Costa Quebrada, mit ihrer einzigartigen geologischen Formation, die die Kraft des Ozeans potenziert. Innerhalb weniger Jahre hat sich La Vaca zum einzigen Extrem-Surf-Event Spaniens entwickelt und sich als fester Termin im Kalender von Surfer*innen und Fans etabliert. Es ist mehr als ein Wettkampf: eine Hommage an Respekt, technische Raffinesse und harmonischen Umgang mit der Urgewalt des Ozeans.
Was La Vaca Gigante so einzigartig macht, ist nicht nur ihr internationales Prestige, sondern auch ihr Engagement für den Umweltschutz. Das Besondere an La Vaca ist ihre namengebende Welle: Sie ist unberechenbar, wechselhaft und kann bei kräftigen Tiefdruckgebieten mit der richtigen Windrichtung bis zu sechs, acht Meter groß werden. Gesurft wird von einem Peak aus, an dem sich Wellenimpulse aus verschiedenen Richtungen überlagern – ein Lineup, das präzises „Lesen“ des Ozeans, Intuition und absolute Konzentration verlangt. Damit die Kuh sich in ihrer ganzen Pracht zeigen kann, arbeiten das Organisationsteam mit einer sehr langen Vorlaufzeit, die aktuell ein ganzes Jahr umfasst. Das „Warnsystem“ wird erst dann scharfgeschaltet, wenn eine Woche im Voraus verlässliche Big-Wave-Bedingungen vorhergesagt sind – erst dann ist der Contest offiziell „go“.

Juan kennt die Vaca schon sehr lange. Von ihm zu Hause aus kann man die Brecher mit bloßem Auge sehen und ihm war früh klar, dass diese Welle etwas Besonderes ist. Mit nur sechzehn Jahren startete er 2008 spontan beim Contest – eine Bauchentscheidung, bei der er sich das Lineup mit Legenden wie Axi Muniain, Indar Unanue oder David Echague teilte. An diesem Tag begriff zum ersten Mal, was es wirklich bedeutet, sich monströsen Wellen zu stellen. Heute beschreibt er La Vaca als eine Welle, die millimetergenaue Präzision erfordert: Weil sich die Impactzone durch die kreuzenden Wellenimpulse ständig verschiebt, braucht es exakte Positionierung und ständiges Beobachten der heranrollenden Sets.
Obwohl La Vaca zu den anspruchsvollsten Surfspots Europas zählt, trainiert Juan außerhalb des Wassers kaum strukturiert. Seine Vorbereitung? Viele Stunden im Wasser verbringen, viel paddeln, herausfordernde Conditions suchen und möglichst viele Wellen surfen. Erst seit kurzem denkt er über gezieltes Atem- und Kraftausdauertraining nach – essenziell, um langfristig auf hohem Niveau zu bleiben. Beim Equipment setzt er auf 7’9“- bis 9’6“-Bretter, ohne sich auf einen Typ festzulegen. Entscheidend ist für ihn das Vertrauen in die eigenen Skills und das Gefühl von Sicherheit im Wasser. Als wir ihn nach dem perfekten Neoprenanzug von Orca gefragt haben, beschreibt er die ideale Kombination: maximale Bewegungsfreiheit, Kälteschutz für eisige Sessions und Robustheit, um in rauer See sicher zu paddeln.
Seine Taktik ist stets dieselbe, egal ob in La Vaca oder Punta Galea: Er surft so viele Wellen wie möglich, wählt aber gezielt aus – und riskiert nicht, durch zu langes Warten auf die perfekte Welle den Rhythmus zu verlieren. Juan bewundert zwar die Geduld von Surfern wie Nano Riego oder Natxo González, doch er selbst bleibt lieber in Bewegung. Für ihn gehört zur Waiting Period eine gewisse Unberechenbarkeit – und die beste Vorbereitung darauf ist, auch im Winter nicht aus dem Wasser zu verschwinden: selbst bei harten Bedingungen rauspaddeln, jeden Swell nutzen, um das Wellengefühl zu verfeinern, die Kraft zu halten und den Geist zu schärfen.

Zu seinen prägendsten Erinnerungen zählen der Contest 2008 – sein erstes Mal – und das Finale 2023/24, als ihm bei der ersten Welle das Board brach. Doch er lacht, wenn er daran denkt, wie Matt Etxebarne ihn blitzschnell mit dem Jetski aus der Impactzone zog. Für ihn ist das typisch für den Sport: Das Unvorhersehbare gehört einfach dazu – und macht am Ende die besten Geschichten aus.
Juan macht sich auch über die Bedeutung der Nachhaltigkeit für das Surfen Gedanken. Er ist der Meinung, dass man sie unbedingt über den Surfsport hinaus denken sollte und jede*r Einzelne*r Verantwortung übernehmen müsse, weniger konsumieren, sich der Folgen des eigenen Handelns bewusst werden und im Alltag seinen kleinen Beitrag leisten sollte. La Vaca habe das Potenzial, dieses kollektive Bewusstsein zu wecken, aber echte Veränderung beginne mit jeder einzelnen Person.
Hinsichtlich der Sicherheit der teilnehmenden Surfer*innen sieht er große Fortschritte, insbesondere bei der Arbeit der Wasserrettungskräfte, deren Erfahrung von entscheidender Bedeutung sei. Das Wichtigste sei, kommerzielle oder politische Interessen nicht über Sicherheit und Vergnügen zu stellen. Und wenn er über die Zukunft des Big-Wave-Surfens in Spanien nachdenkt, ist er optimistisch: Persönlichkeiten wie Laura Coviella oder Natxo González – zusammen mit dem hohen Niveau auf den Kanarischen Inseln und im Baskenland – ebneten den Weg für neue Generationen, die den Sport für sich entdecken und weiterentwickeln würden.
Auf die Frage, welchen Rat er jemandem geben würde, der den Übergang von mittelgroßen zu Riesenwellen schaffen möchte, antwortet er mit einem Lächeln: „Man sollte es nicht übers Knie brechen.“ Für ihn ist es ein langsamer und kontinuierlicher Prozess, der Geduld, jahrelange Übung und ein gutes Verständnis der eigenen Grenzen erfordert. Man solle sich nicht kopflos ins Ungewisse stürzen, sondern langsam und mit Respekt vorgehen – und dabei immer auf das Meer hören.
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